Zum Pfingstfest 2020

Ein Gastbeitrag von Pfarrer Dr. Matthias Flothow, Landshut. Exklusiv für unsere Homepage.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
25 O HERR, hilf!
O HERR, lass wohlgelingen!

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN.
27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars.
28 Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.
29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

Psalm 118, 24-29

Wenn man die Bibel in der Mitte aufschlägt, landet man bei den Psalmen. Der Psalm 118 ist einer von vielen, aber einer mit besonders vielen Beziehungen. Rückwärts wie vorwärts, in die ältere Zeit von Mose und in die Zeit des Neuen Testaments. Jetzt ist es in unserer gottesdienstlichen Ordnung der Psalm zum Pfingstfest. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars? In manchen Gemeinden wird zu Pfingsten die Kirche oder der Altar mit jungen Birken geschmückt. Das weist dann auf ein besonderes Fest hin, so wie man Weihnachten und Karfreitag auch durch den Kirchenschmuck besonders heraushebt. Ist der Tag, über den der Psalm sich freut, Pfingstsonntag? Natürlich nicht. Damals gab es Pfingsten ja noch gar nicht. Den Tag lernen wir erst kennen, wenn wir im Psalm etwas rückwärts gehen. Die vorausgegangen Verse erinnern an die Rettung aus der Unterdrückung in Ägypten, an die Zelte, an die rechte Hand Gottes mit den Worten, die schon im Lobgesang nach der Rettung aus dem Schilfmeer erklangen: „die Rechte des Herrn behält den Sieg“.

Der den Psalm singt, legt diese Rettungserfahrung über seine jetzige Not: „Der HErr züchtigt mich schwer, aber er gibt mich dem Tode nicht preis.“ Und dann, bei der Bewahrung vor dem Tod, kommt das Versprechen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HErrn Werke verkündigen“. Er vertraut – gerade so wie es die Israeliten damals schon erlebt haben – auf Rettung durch Gott und jetzt kommt der Freudentag der Errettung. Wir sind bei unseren Psalmversen angekommen: „Dies ist der Tag, den der HErr macht; lasst uns freuen und fröhlich sein an ihm.“

Nach diesem Rückblick auf die Befreiung aus der Unterdrückung blicken wir nach vorne. Kannte Jesus diesen Psalm? Selbstverständlich. Einmal wird der Psalm ja zitiert beim Einzug Jesu in Jerusalem: Gelobt sei, der da kommt im Namen des HErrn. Vorher ruft das Volk: Hosianna! Hosianna heißt übersetzt: Herr hilf! Das Hosianna wird gesungen, als Jesus in Jerusalem einzieht und die Gerechtigkeit im Tempel wieder herstellt. Eine Bitte, die uns jedes Mal zum Abendmahl führt: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn: Stell doch deine Gerechtigkeit her! Und – so der Psalm weiter – und lass dein Licht leuchten über uns. Wieder eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, aber auch an den Segen, mit dem die Gemeinde aus dem Gottesdienst entlassen wird: der HErr lasse sein Angesicht leuchten über dir!